Reifen einlagern: Liegend oder stehend? Dieser Fehler setzt Ihren Reifen zu
Liegend, stehend oder hängend? Ob ein Reifen noch auf der Felge sitzt, entscheidet über die richtige Lagerung. So überstehen Ihre Reifen die Pause.

Das Wichtigste in Kürze
- Kompletträder lagern Sie liegend oder hängend, Reifen ohne Felge stehend. Lose Reifen sollten Sie alle paar Monate ein Stück weiterdrehen.
- Der ADAC rät, den Luftdruck von Kompletträdern vor dem Einlagern um 0,5 bar über die Herstellervorgabe zu erhöhen.
- Der Lagerort sollte kühl, trocken und dunkel sein, fern von Öl, Kraftstoff, Lösungsmitteln und Elektromotoren, die Ozon erzeugen.
Inhalt
Im Oktober wandern die Sommerräder wieder in Keller und Garagen, und oft landen sie ordentlich nebeneinander an der Wand, aufrecht auf der Lauffläche. Sieht aufgeräumt aus. Für Räder mit Felge ist das aber nicht die Lagerung, die Fachleute empfehlen. Ob ein Reifen liegen oder stehen sollte, entscheidet eine einzige Frage: Sitzt er noch auf der Felge?
Mit Felge liegend, ohne Felge stehend
Die Grundregel ist schnell erklärt, und der ADAC und Reifenhersteller wie Continental sind sich dabei weitgehend einig:
| Kompletträder (mit Felge) | Reifen ohne Felge | |
|---|---|---|
| Lagerung | flach liegend gestapelt oder hängend | hochkant stehend |
| Hilfsmittel | Felgenbaum, Regal, Wandhalterung | Regal oder Holzpalette |
| Worauf achten | Stapel nicht zu hoch | alle paar Monate ein Stück drehen |
Der ADAC begründet die Regel knapp: Die richtige Position vermeidet einseitige Belastungen und schont das Material. Beim Komplettrad gibt die Felge dem Reifen Halt. Liegt das Rad flach, verteilt sich das Gewicht auf die Flanke. Steht es dagegen ein halbes Jahr lang aufrecht, drückt das Gewicht von Felge und Reifen immer auf dieselbe Stelle der Lauffläche.
Ein loser Reifen hat diese Stütze nicht. Continental schreibt, dass Aufstellen für Reifen ohne Felge die beste Option ist, weil es sie am wenigsten belastet. Damit nicht monatelang derselbe Punkt unten steht, drehen Sie die Reifen in regelmäßigen Abständen ein Stück weiter. Der ADAC nennt dafür „alle paar Monate“.
Und das Stapeln? Kompletträder dürfen übereinander liegen, Continental nennt Stapeln für komplette Räder sogar die beste Lösung. Höher als vier Stück sollte der Turm laut Hersteller aber nicht werden, sonst drohen Schäden, oder der Stapel kippt. Der ADAC weist darauf hin, dass beim Stapeln Rost entstehen kann. In der Werkstatt haben wir deshalb zwischen die Felgen immer ein Stück Pappe gelegt, damit nichts scheuert und keine Feuchtigkeit zwischen Metall und Gummi stehen bleibt. Wer Platz an der Wand hat, ist mit einem Felgenbaum oder Wandhaken für Kompletträder gut bedient. Meine eigenen Winterräder für den alten Kombi hängen seit Jahren genau so an der Kellerwand.
Vor dem Einlagern: reinigen, prüfen, markieren
Was Sie jetzt in einer halben Stunde erledigen, erspart Ihnen im Frühjahr Ärger.
Gründlich reinigen
Bremsstaub und Straßenschmutz haben im Winterlager nichts zu suchen. Der ADAC empfiehlt mildes Spülmittel, Wasser und eine Bürste. Bei Kompletträdern reinigen Sie die Felgen gleich mit. Wer zum Hochdruckreiniger greift, sollte laut ADAC mindestens 50 Zentimeter Abstand halten, sonst kann der harte Strahl den Reifen beschädigen. Steinchen im Profil pulen Sie bei der Gelegenheit heraus. Danach müssen die Räder vollständig trocknen, bevor sie ins Lager kommen.
Profil, Flanke und Alter prüfen
Mit sauberen Reifen sieht man mehr. Gesetzlich vorgeschrieben ist nach § 36 Abs. 3 StVZO eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimetern im Hauptprofil. Beulen an der Flanke oder tiefe Risse sind nach Angaben des ADAC ein Grund für neue Reifen, ganz gleich, wie viel Profil noch drauf ist.
Schauen Sie auch auf das Herstellungsdatum. Die vier Ziffern der DOT-Nummer verraten Woche und Jahr, wie wir im Beitrag Wie alt sind Ihre Reifen? erklären. Laut ADAC sollten Sommerreifen unabhängig vom Profil nach acht bis zehn Jahren ersetzt werden, Winterreifen spätestens nach acht Jahren. Wenn Sie jetzt merken, dass ein Satz am Ende ist, haben Sie bis zur nächsten Saison Zeit, in Ruhe Angebote zu vergleichen.
Position markieren
Reifen sollten auf derselben Fahrzeugseite bleiben. Gleichzeitig kann es laut ADAC sinnvoll sein, Vorder- und Hinterräder paarweise zu tauschen. Bei Autos mit Frontantrieb habe ich vorn fast immer weniger Profil gesehen als hinten. Wer weiß, welche Räder wo liefen, kann beim nächsten Wechsel gezielt tauschen. In meinen Jahren in der Bochumer Werkstatt standen wir im Frühjahr oft vor vier Rädern, die niemand beschriftet hatte. Dann beginnt das Rätselraten mit dem Profiltiefenmesser.
Luftdruck leicht erhöhen
Reifen verlieren während der Lagerung Luft. Der ADAC rät deshalb, den Druck von Kompletträdern vor dem Einlagern um 0,5 bar über die Herstellervorgabe zu erhöhen. Vor der Montage im Frühjahr stellen Sie wieder den vorgeschriebenen Wert ein, den Sie meist in der Tankklappe, an der B-Säule oder in der Betriebsanleitung finden. Warum der Druck gerade bei sinkenden Temperaturen schwankt, lesen Sie in unserem Text zum Reifendruck im Herbst.
Der richtige Ort: kühl, trocken, dunkel
Der ADAC nennt Keller oder Garage als geeignete Orte, solange die Reifen vor direkter Sonne und Witterung geschützt sind. Continental sieht Garagen, Schuppen und Dachböden kritischer, weil dort die Temperatur stark schwankt und die Luft meist feucht ist. Ideal ist nach Herstellerangaben ein Keller. Steht dort eine Heizung, halten Sie Abstand.
Draußen haben Reifen nichts verloren, auch nicht unter einer Schutzplane. Continental rät außerdem, Reifen und Räder nie direkt auf den Boden zu legen. Eine Holzpalette ist gut, zumindest eine Kunststofffolie sollte darunter.
Genauso schlecht sind Öle, Kraftstoff und Lösungsmittel. Sie greifen die Gummimischung an. Den klassischen Fall kenne ich aus vielen Garagen: Die Reifen liegen direkt neben dem Benzinkanister für den Rasenmäher, und auf dem Boden ist noch ein dunkler Fleck vom letzten Ölwechsel. Räumen Sie lieber einmal um.
Reifensäcke sind praktisch, sie halten Staub und Schmutz ab. In Folie einwickeln müssen Sie die Reifen laut Continental nicht. Auf Reifenglanz sollten Sie verzichten, denn solche Mittel können die Lebensdauer laut Hersteller eher verkürzen als verlängern.
Reifenhotel: Wann sich die Einlagerung beim Händler lohnt
Nicht jeder hat einen trockenen Keller, und große SUV-Räder schleppt auch nicht jeder gern vier Stockwerke hoch. Dann ist das sogenannte Reifenhotel eine Alternative. Autohäuser, Werkstätten und Reifenhändler verlangen laut ADAC etwa 30 bis 60 Euro pro Saison für einen Satz. In Großstädten liegen die Preise oft höher. Komplettpakete mit Montage und Reinigung können 100 Euro oder mehr kosten.
Lassen Sie sich bei der Abgabe ein Einlagerungsprotokoll geben, in dem Zustand, Profiltiefe, Reifenmodell und Position stehen, und lassen Sie es gegenzeichnen. Der ADAC bietet dafür eine Vorlage an. Aus Werkstattsicht kann ich nur raten: Fragen Sie ruhig nach, wie gelagert wird. Ein ordentlicher Betrieb hat damit kein Problem.
Was Sie jetzt tun sollten
Beim nächsten Wechsel nehmen Sie sich die halbe Stunde extra. Räder waschen und trocknen lassen, Profil, Flanken und DOT-Nummer prüfen, Position markieren und bei Kompletträdern 0,5 bar mehr Luft einfüllen. Dann liegen Kompletträder flach oder hängen, lose Reifen stehen und werden ab und zu gedreht. Und zwar an einem kühlen, trockenen, dunklen Ort, weit weg von Kompressor, Ölkanister und Heizung.
Im Frühjahr gilt das Ganze umgekehrt: Luftdruck zurück auf den Sollwert, Reifen noch einmal ansehen. Continental empfiehlt, sie vor der Montage von einem Fachmann prüfen zu lassen. Wann die Winterreifen überhaupt drauf müssen, steht übrigens in keinem Kalender. Was das Gesetz wirklich verlangt, erklären wir im Beitrag zur O-bis-O-Regel.
Häufige Fragen
Lagert man Reifen liegend oder stehend?
Das hängt von der Felge ab. Kompletträder lagern Sie laut ADAC flach liegend oder hängend, Reifen ohne Felge hochkant stehend. Lose Reifen sollten Sie alle paar Monate ein Stück weiterdrehen.
Muss man den Reifendruck beim Einlagern erhöhen?
Bei Kompletträdern empfiehlt der ADAC, den Druck vor dem Einlagern um 0,5 bar über die Herstellervorgabe zu erhöhen, weil Reifen während der Lagerung Luft verlieren. Vor der Montage stellen Sie wieder den vorgeschriebenen Wert ein.
Was kostet das Einlagern von Reifen beim Händler?
Laut ADAC verlangen Autohäuser, Werkstätten und Reifenhändler etwa 30 bis 60 Euro pro Saison für einen Satz. In Großstädten liegen die Preise oft höher. Pakete mit Montage und Reinigung können 100 Euro oder mehr kosten.
Faktencheck und Quellen
Dieser Artikel wurde von Jonas Brandt recherchiert und geschrieben und am 12. Oktober 2026 von Sabine Müller, Fahrlehrerin seit 1997, nach dem Vier-Augen-Prinzip fachlich geprüft. Lagerempfehlungen, Luftdruckzuschlag und Kosten der Einlagerung mit den aktuellen Angaben von ADAC und Continental sowie die Mindestprofiltiefe mit § 36 Abs. 3 StVZO abgeglichen.
- ADAC, Reifen richtig lagern: Das müssen Sie wissen (April 2026)
- ADAC, Wie alt darf ein Neureifen sein? (Oktober 2026)
- Continental Reifen Österreich, Reifenwissen: Reifenlagerung
- Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 36 Abs. 3 (Mindestprofiltiefe)
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