Wie alt sind Ihre Reifen? Diese vier Ziffern an der Flanke verraten es
Profil sieht gut aus, aber wie alt ist der Reifen? So lesen Sie das Herstellungsdatum an der Flanke ab und ab welchem Alter Experten zum Austausch raten.

Das Wichtigste in Kürze
- Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer nennen Produktionswoche und Jahr: 3421 steht für die 34. Kalenderwoche 2021.
- Reifen altern auch ohne Fahrleistung. Der ADAC rät, Winterreifen nicht älter als acht und Sommerreifen nicht älter als acht bis zehn Jahre zu fahren.
- Beim Kauf gilt ein Reifen laut Reifenhandelsverband bis drei Jahre als fabrikneu. Der ADAC empfiehlt, keine Neureifen zu kaufen, die älter als zwei Jahre sind.
Inhalt
Bei der Reifenkontrolle schauen die meisten aufs Profil. Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Ein Reifen kann noch reichlich Profil haben und trotzdem so hart geworden sein, dass er auf nasser Straße kaum noch greift. Wie alt er ist, steht auf der Flanke, und Sie brauchen dafür nur vier Ziffern.
So lesen Sie die vier Ziffern
Auf der Reifenflanke finden Sie eine längere Zeichenfolge, die mit den Buchstaben DOT beginnt. Die Abkürzung steht für das US-Verkehrsministerium, das Department of Transportation. Die Kennzeichnung hat sich weltweit durchgesetzt. Für das Alter zählen nur die letzten vier Ziffern dieser Folge, oft sind sie zusätzlich von einem Oval oder Rahmen umgeben.
- Die ersten beiden Ziffern nennen die Produktionswoche.
- Die letzten beiden Ziffern nennen das Herstellungsjahr.
Aus 3421 wird also die 34. Kalenderwoche 2021, aus 1024 die 10. Kalenderwoche 2024. Die Buchstaben und Zahlen davor verschlüsseln unter anderem Werk und Reifengröße, für das Alter spielen sie keine Rolle.
Finden Sie die Zahl nicht, schauen Sie auf die andere Seite des Reifens. Nicht jeder Reifen trägt den vollständigen Code auf beiden Flanken, und er sitzt manchmal auf der Innenseite, die zum Fahrzeug zeigt. Mit einer Taschenlampe und etwas Geduld geht das auch ohne Hebebühne, notfalls bei eingeschlagenem Lenkrad. Und wenn Sie nur eine dreistellige Zahl entdecken: Dieser Reifen stammt aus der Zeit vor dem Jahr 2000. Der gehört nicht mehr auf die Straße. Wer ein Gebrauchtauto oder gebrauchte Kompletträder kauft, sollte die vier Ziffern deshalb immer kontrollieren, bevor er bezahlt.
Warum Reifen altern, auch wenn sie kaum fahren
Ein Reifen ist kein totes Stück Gummi. Die Mischung verändert sich über die Jahre durch physikalische und chemische Prozesse. Nach Angaben des ADAC spielen dabei UV-Licht, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und Ozon eine Rolle, und zwar auch bei Reifen, die gar nicht gefahren werden. Tests des Clubs haben gezeigt, dass die Gummimischung mit der Zeit verhärtet. Darunter leiden vor allem Nässegrip und Bremsweg. Bei Winterreifen ist es noch deutlicher: Laut ADAC verlieren sie ab etwa sechs Jahren Teile ihrer Wintereigenschaften.
In meinen Jahren in der Werkstatt in Bochum habe ich das oft genug in der Hand gehabt. Ein Auto, das fast nur in der Garage stand, mit Reifen voller Profil, aber mit feinen Rissen an der Flanke und einer Oberfläche, die sich anfühlte wie ein alter Gartenschlauch. Der Halter war überzeugt, die Reifen seien wie neu, weil sie kaum gelaufen waren. Für die Gummimischung zählt aber die Zeit, nicht der Kilometerstand.
Prüfen Sie deshalb auch die Flanken, und zwar genau. Feine Risse, Porosität oder Beulen sind Warnzeichen. Bei der Hauptuntersuchung gibt es zwar keine feste Altersgrenze, solche Alterungsschäden können laut ADAC aber beanstandet werden.
Ab welchem Alter Sie tauschen sollten
Ein gesetzliches Höchstalter für Pkw-Reifen gibt es in Deutschland nicht. Eine Ausnahme betrifft Anhänger mit Tempo-100-Zulassung: Nach der Neunten Ausnahmeverordnung zur StVO müssen deren Reifen bei jeder Fahrt jünger als sechs Jahre sein. Für alle anderen gelten Empfehlungen:
| Reifenart | Empfehlung | Quelle |
|---|---|---|
| Winterreifen | nicht älter als acht Jahre | ADAC |
| Sommerreifen | nicht älter als acht bis zehn Jahre | ADAC |
| Pkw-Reifen allgemein | Austausch nach zehn Jahren | BRV, Continental |
Diese Werte sind Obergrenzen, keine Garantie. Ein Reifen, der jahrelang in praller Sonne stand oder oft mit zu wenig Luft gefahren wurde, kann früher am Ende sein. Umgekehrt ist ein sechs Jahre alter Sommerreifen ohne Risse und mit gutem Profil nicht automatisch ein Fall für den Container. Entscheidend ist der Blick auf Alter, Profil und Flanke zusammen.
Unabhängig vom Alter gilt natürlich das Profil. Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter, der ADAC empfiehlt bei Sommerreifen mindestens 3 und bei Winterreifen mindestens 4 Millimeter. Was zuerst erreicht ist, entscheidet.
Was die anderen Zeichen an der Flanke bedeuten
Wenn Sie schon mal mit der Taschenlampe am Reifen knien, lohnt sich ein Blick auf die Größenangabe. Ein typisches Beispiel ist 205/55 R16 91V:
- 205 ist die Reifenbreite in Millimetern.
- 55 ist das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent.
- R steht für Radialbauweise.
- 16 ist der Felgendurchmesser in Zoll.
- 91 ist der Lastindex, er entspricht einer Tragfähigkeit von 615 Kilogramm pro Reifen.
- V ist der Geschwindigkeitsindex, in diesem Fall bis 240 km/h.
Bei Winterreifen darf der Geschwindigkeitsindex niedriger sein als die Höchstgeschwindigkeit Ihres Autos. Dann muss laut StVZO im Blickfeld des Fahrers ein Hinweis auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit angebracht sein, meist ein kleiner Aufkleber, und Sie dürfen diese Geschwindigkeit nicht überschreiten. Achten Sie bei Winter- und Ganzjahresreifen außerdem auf das Alpine-Symbol, den Berg mit Schneeflocke. Seit Oktober 2024 reicht die Kennzeichnung M+S allein nicht mehr. Was die Winterreifenpflicht genau verlangt, lesen Sie in unserem Beitrag zur O-bis-O-Regel.
Beim Reifenkauf aufs Datum achten
Auch neue Reifen haben schon ein Alter, wenn sie montiert werden. Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk sieht einen Reifen bis zu drei Jahre nach der Herstellung als fabrikneu an und bis zu fünf Jahre als neu, vorausgesetzt, er wurde fachgerecht gelagert. Der ADAC ist strenger und rät, keine Neureifen zu kaufen, die älter als zwei Jahre sind.
Wenn Sie Reifen selbst einlagern, verlangsamen Sie die Alterung, indem Sie sie kühl, trocken und dunkel aufbewahren, fern von Chemikalien und von Geräten, die Ozon erzeugen können.
Das Reserverad nicht vergessen
Der älteste Reifen am Auto liegt oft gar nicht auf der Straße, sondern im Kofferraum. Ein Reserverad, das nie gefahren wurde, sieht tadellos aus und ist doch oft so alt wie das Auto selbst. Schauen Sie auch dort auf die vier Ziffern. Warum viele Neuwagen ohnehin keins mehr haben und was stattdessen drinliegt, erklären wir im Beitrag Warum in vielen Neuwagen kein Reserverad mehr liegt.
Was Sie jetzt tun sollten
Nehmen Sie sich beim nächsten Tankstopp oder spätestens beim Wechsel auf Winterreifen zwei Minuten Zeit. Gehen Sie einmal ums Auto, notieren Sie die vier Ziffern jedes Reifens und schauen Sie die Flanken nach Rissen ab. Sind Ihre Winterreifen älter als acht Jahre, sollten Sie über neue nachdenken, bevor der erste Schnee fällt. Und prüfen Sie bei der Gelegenheit auch gleich den Luftdruck. Der sinkt mit den Temperaturen, wie wir im Text zum Reifendruck im Herbst erklären.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich das Alter meiner Reifen?
An den letzten vier Ziffern der DOT-Nummer auf der Reifenflanke. Die ersten beiden stehen für die Produktionswoche, die letzten beiden für das Jahr. 1024 bedeutet also 10. Kalenderwoche 2024.
Gibt es ein gesetzliches Höchstalter für Autoreifen?
Für Pkw-Reifen nicht. Eine Ausnahme gilt für Anhänger mit Tempo-100-Zulassung, deren Reifen jünger als sechs Jahre sein müssen. Risse und Porosität können aber bei der Hauptuntersuchung beanstandet werden.
Wie alt dürfen neue Reifen beim Kauf sein?
Laut Bundesverband Reifenhandel gilt ein fachgerecht gelagerter Reifen bis drei Jahre als fabrikneu und bis fünf Jahre als neu. Der ADAC rät, beim Kauf auf höchstens zwei Jahre zu bestehen.
Faktencheck und Quellen
Dieser Artikel wurde von Jonas Brandt recherchiert und geschrieben und am 10. Oktober 2026 von Sabine Müller, Fahrlehrerin seit 1997, nach dem Vier-Augen-Prinzip fachlich geprüft. Altersempfehlungen von ADAC und BRV, die Sechs-Jahres-Regel für Tempo-100-Anhänger sowie Last- und Geschwindigkeitsindex mit den Originalangaben abgeglichen.
- ADAC, Wie alt dürfen neue Reifen sein? Und so erkennen Sie das wahre Alter (Oktober 2026)
- Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV), Angaben zu Reifenalter und Lagerung, zitiert nach ADAC
- Neunte Ausnahmeverordnung zur StVO (Tempo 100 für Anhänger)
- Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 36
- Continental, Reifenwissen: Reifenalter
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