Winter-Notfallset: Diese 9 Dinge gehören jetzt ins Auto, drei davon sind Pflicht
Warndreieck, Warnweste und Verbandkasten sind Pflicht. Welche sechs Extras im Winterstau helfen und was Sie bei Ablaufdatum und Schneeketten beachten sollten.

Das Wichtigste in Kürze
- Pflicht sind im Pkw ein Warndreieck, eine Warnweste und ein Verbandkasten nach DIN 13164. Fehlt etwas davon, wird ein Verwarnungsgeld fällig.
- Ältere Verbandkästen nach der Ausgabe 1998 oder 2014 bleiben zulässig, abgelaufenes Material sollten Sie aber ersetzen.
- Für lange Winterstaus helfen Decke, Handschuhe, Lampe und Proviant. Läuft der Motor zum Heizen, muss der Auspuff frei von Schnee sein.
Inhalt
Schneefall am Nachmittag, auf der Autobahn geht plötzlich nichts mehr, und im Radio ist von mehreren Stunden die Rede. Ob Sie diese Zeit frierend und mit leerem Handy absitzen oder halbwegs entspannt, entscheidet sich nicht im Stau, sondern jetzt. Ich packe meinen alten Kombi deshalb jedes Jahr im Oktober um, wenn die Reiseenduro langsam in die Winterpause rollt. Neun Dinge liegen danach im Auto. Drei davon verlangt das Gesetz.
Nummer 1 bis 3: Was in Deutschland Pflicht ist
Die Pflichtausstattung steht in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, und sie gilt das ganze Jahr. Im Winter merken Sie nur schneller, ob sie wirklich da ist und funktioniert.
Das Warndreieck schreibt § 53a StVZO für jeden Pkw vor. Es muss rückstrahlend und standsicher sein, und der Paragraf verlangt ausdrücklich, dass die Warneinrichtungen „in betriebsfertigem Zustand“ sind. Ein Dreieck, dessen Füße seit Jahren in der Plastikhülle festkleben, erfüllt das nur auf dem Papier. Klappen Sie es beim Umpacken einmal auf. Aufgestellt wird es nach § 15 StVO bei schnellem Verkehr in etwa 100 Metern Entfernung.
Die Warnweste steht im selben Paragrafen. Vorgeschrieben ist eine Weste pro Pkw, und sie muss der Norm EN ISO 20471 oder der älteren DIN EN 471 entsprechen. Vom Tragen steht dort übrigens nichts, nur vom Mitführen. Sinnvoll ist es trotzdem, und zwar bevor Sie aussteigen. Deshalb gehört die Weste nicht unter die Kofferraumabdeckung, sondern griffbereit ins Türfach. Ich habe für jeden Sitzplatz eine dabei. Das kostet wenig und erspart die Diskussion, wer im Dunkeln ohne Weste zum Kofferraum laufen muss.
Der Verbandkasten ist in § 35h StVZO geregelt. Das Erste-Hilfe-Material muss mindestens der DIN 13164 in der Ausgabe von 1998 oder von 2014 entsprechen und in einem Behältnis stecken, das es vor Staub, Feuchtigkeit sowie Kraft- und Schmierstoffen schützt.
| Pflichtteil | Rechtsgrundlage | Wenn es fehlt |
|---|---|---|
| Warndreieck | § 53a StVZO | 15 Euro |
| Warnweste | § 53a StVZO | 15 Euro |
| Verbandkasten | § 35h StVZO | 5 Euro, für den Halter 10 Euro |
Die Beträge stammen aus dem aktuellen Bußgeldkatalog. Punkte in Flensburg gibt es dafür nicht, peinlich ist es trotzdem.
Das Ablaufdatum auf dem Verbandkasten
Seit Februar 2022 gibt es eine neue Ausgabe der DIN 13164. Sie ergänzt zwei medizinische Gesichtsmasken, dafür entfallen ein Dreiecktuch und das kleinere Verbandtuch. Austauschen müssen Sie einen älteren Kasten deswegen nicht, die StVZO nennt weiterhin die Ausgaben 1998 und 2014 als Maßstab.
Wichtiger ist das Datum auf der Packung. Es bezieht sich auf das Material: Pflaster verlieren mit der Zeit ihre Klebkraft, und Kompressen sind nur für einen begrenzten Zeitraum steril. Ob ein abgelaufener Kasten bei einer Kontrolle Geld kostet, wird unterschiedlich beurteilt. Im Ernstfall hilft er jedenfalls weniger. Abgelaufene Teile lassen sich einzeln ersetzen, dafür gibt es Nachfüllsets nach DIN 13164.
Nummer 4 bis 9: Was im Winter dazugehört
Alles Weitere ist freiwillig. Aber genau diese Dinge vermissen Sie, wenn Sie nach Schneefall stundenlang auf der Autobahn stehen.
Eiskratzer und Handfeger: Der Kratzer mit Kunststoffklinge ist klar. Den Handfeger vergessen viele, dabei ist er das bessere Werkzeug gegen Schnee auf Dach, Motorhaube und Leuchten. Schnee, der auf dem Dach liegen bleibt, rutscht beim ersten Bremsen auf die Frontscheibe oder fliegt dem Hintermann entgegen. Was Sie beim Kratzen besser lassen, habe ich in meinem Text über die teuersten Fehler beim Enteisen gesammelt.
Decke und Handschuhe: Eine alte Wolldecke oder ein Schlafsack, dazu Mütze und warme Handschuhe. Klingt nach Großmutter, bringt im Stau aber am meisten. Wer gut eingepackt ist, muss den Motor seltener zum Heizen anwerfen und spart Sprit. Ein Paar robuste Arbeitshandschuhe lege ich zusätzlich dazu, für Ketten, Starthilfe und alles, was dreckig wird.
Starthilfekabel: Laut ADAC-Pannenstatistik ist die Starterbatterie seit Jahren die häufigste Pannenursache, 2025 steckte sie hinter fast jeder zweiten Panne. Der ADAC empfiehlt ein Kabel nach DIN 72553 oder ISO 6722 mit mindestens 25 Quadratmillimetern Querschnitt, mindestens 2 Metern Länge und vollisolierten Polklemmen. Wie Sie es richtig anschließen und woran Sie eine müde Batterie schon vorher erkennen, steht in unserem Artikel über die Warnzeichen einer schwachen Autobatterie.
Taschenlampe und Powerbank: Im Winter wird es früh dunkel, und die Handylampe frisst genau den Akku, den Sie für den Anruf beim Pannendienst brauchen. Eine Stirnlampe hat den Vorteil, dass beide Hände frei bleiben. Die Powerbank lade ich zu Hause voll und nehme sie vor längeren Fahrten mit, statt sie den ganzen Winter im Kofferraum liegen zu lassen. Akkus liefern bei Frost spürbar weniger, und laden sollte man sie erst, wenn sie wieder warm sind.
Wasser und etwas zu essen: Eine Flasche Wasser und ein paar Müsliriegel, Nüsse oder Kekse, die nicht so schnell verderben. Bei strengem Frost kann die Flasche im Auto über Nacht gefrieren. Vor langen Fahrten kommt bei mir deshalb eine Thermoskanne mit Tee dazu. Mit Kindern an Bord packen Sie lieber die doppelte Menge ein.
Eine Flasche Winterreiniger: Leeres Wischwasser bei Salzmatsch auf der Autobahn ist ein echtes Sicherheitsproblem, hinter einem Lkw ist die Scheibe schnell blind. Der ADAC rät, das Wischwasser so zu mischen, dass es bis etwa minus 20 Grad nicht gefriert, und eine Reserveflasche mit fertig gemischtem Winterreiniger im Kofferraum mitzunehmen. Konzentrat einfach pur nachzukippen, ist keine gute Idee. Zu starke Mischungen reinigen schlechter und hinterlassen oft einen Schmierfilm.
Schneeketten: nur, wenn Sie sie wirklich brauchen
Schneeketten sind in Deutschland keine allgemeine Pflicht. Vorgeschrieben sind sie dort, wo das Zeichen 268 steht, das runde blaue Schild mit dem Reifen samt Kette. Die Straße dürfen Sie dann laut StVO nur mit Schneeketten befahren. Mit Ketten gilt nach § 3 Abs. 4 StVO außerdem höchstens Tempo 50, auch wenn die Straße gerade frei aussieht.
Wer nur im Flachland pendelt, kann sich das Geld sparen. Wer in die Berge oder in den Skiurlaub fährt, sollte vorher in der Betriebsanleitung nachsehen, ob und welche Ketten für die eigenen Reifen zugelassen sind. Und dann üben, zu Hause, bei Licht und im Trockenen. Ich habe meine Ketten das erste Mal bei Schneetreiben am Straßenrand im Schwarzwald aufgezogen, ohne vorher geübt zu haben. Seitdem liegt neben den Ketten eine alte Isomatte zum Knien.
Wenn Sie im Winterstau festsitzen
Bleiben Sie im Auto und lassen Sie das Radio für Verkehrsmeldungen laufen. Sobald auf der Autobahn nur noch Schritttempo herrscht oder alles steht, verlangt § 11 Abs. 2 StVO eine Rettungsgasse, auch wenn noch kein Blaulicht zu sehen ist. Wie Sie sie mit einem Blick auf Ihre Hand richtig bilden, zeigt unsere Handregel für die Rettungsgasse.
Ziehen Sie die Decke über, bevor Ihnen kalt ist, nicht erst danach. Und fahren Sie im Winter nicht mit fast leerem Tank in lange Strecken. Ein Stau mit der Reservelampe im Blick fühlt sich doppelt so lang an.
Was Sie jetzt tun sollten
Nehmen Sie sich am Wochenende eine halbe Stunde. Kofferraum leer räumen, Warndreieck aufklappen, das Datum auf dem Verbandkasten prüfen, die Warnweste ins Türfach legen. Danach kommen Decke, Handschuhe, Lampe, Starthilfekabel, Proviant und die Flasche Winterreiniger dazu. Bei mir passt das alles in eine Klappbox, die im Kombi nicht verrutscht. Im Frühjahr, wenn die Enduro wieder anspringt, wird zurückgepackt. Bis dahin bleibt die Box drin, auch wenn ich sie hoffentlich nie brauche.
Häufige Fragen
Welche Ausrüstung ist im Auto in Deutschland Pflicht?
Im Pkw müssen ein Warndreieck und eine Warnweste (§ 53a StVZO) sowie Erste-Hilfe-Material nach DIN 13164 (§ 35h StVZO) an Bord sein. Starthilfekabel und Decke sind freiwillig. Schneeketten sind nur dort vorgeschrieben, wo das Zeichen 268 steht.
Muss ich meinen alten Verbandkasten wegen der Masken austauschen?
Nein. Die StVZO verlangt Material, das mindestens der DIN 13164 in der Ausgabe 1998 oder 2014 entspricht. Die neue Ausgabe von 2022 ergänzt zwei Gesichtsmasken, eine Austauschpflicht für ältere Kästen gibt es nicht.
Wie schnell darf ich mit Schneeketten fahren?
Höchstens 50 km/h, und zwar auch unter günstigsten Umständen. Das steht in § 3 Abs. 4 StVO.
Faktencheck und Quellen
Dieser Artikel wurde von Tobias Keller recherchiert und geschrieben und am 11. Oktober 2026 von Sabine Müller, Fahrlehrerin seit 1997, nach dem Vier-Augen-Prinzip fachlich geprüft. Mitführpflichten mit dem Wortlaut von § 35h und § 53a StVZO, Verwarnungsgelder mit den lfd. Nr. 206.2, 207.2 und 222.6 des Bußgeldkatalogs sowie die Regeln zu Warndreieck, Rettungsgasse und Schneeketten mit der StVO abgeglichen.
- Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 35h, § 53a und § 69a Abs. 3
- Bußgeldkatalog (BKatV), lfd. Nr. 206.2, 207.2 und 222.6, Stand Oktober 2026
- Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 28 Abs. 3 (Eintragung erst ab 60 Euro Geldbuße)
- Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), § 3 Abs. 4, § 11 Abs. 2, § 15 und Anlage 2 lfd. Nr. 42 (Zeichen 268)
- BVMed-Informationsblatt zur DIN 13164:2022, Kfz-Verbandkasten (Februar 2022)
- auto motor und sport: Auto-Verbandskasten, die neue Norm (Juni 2023)
- Stuttgarter Zeitung: Abgelaufener Verbandskasten, mit Hinweisen des Malteser Hilfsdienstes (September 2020)
- ADAC: Auto überbrücken, Starthilfe richtig geben (Mai 2026)
- ADAC: Pannenstatistik 2026
- ADAC: Scheibenwischwasser nachfüllen (April 2025)
- auto motor und sport: Smartphones und Akkus im Winter nicht im Auto lassen (Dezember 2025)
- US-Gesundheitsbehörde CDC, MMWR: Kohlenmonoxidvergiftungen durch eingeschneite Auspuffanlagen (Januar 1996)
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