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Sprit sparen: 7 Gewohnheiten, die wirklich wirken, und 3 Mythen, die Sie vergessen können

Früh schalten, im Gang rollen, Dachbox runter: Diese Gewohnheiten senken den Verbrauch spürbar. Und warum Leerlauf-Rollen und Warmlaufen nichts bringen.

Entspannte Autofahrerin auf einer sonnigen Landstraße mit Herbstlaub
Symbolbild: Entspannte Autofahrerin auf einer sonnigen Landstraße mit Herbstlaub. Bild: KI-generiert, Fahrschule Hummel

Das Wichtigste in Kürze

  • Rollen mit eingelegtem Gang kostet dank Schubabschaltung keinen Sprit, im Leerlauf verbraucht der Motor dagegen weiter Kraftstoff.
  • Früh hochschalten, den Reifendruck prüfen und Ballast ausräumen gehören zu den einfachsten Spartipps.
  • Den Motor warmlaufen zu lassen spart nichts, ist nach § 30 StVO verboten und kostet 80 Euro.
Inhalt
  1. Die 7 Gewohnheiten, die wirklich wirken
  2. Was die Spritfresser kosten
  3. 3 Mythen, die Sie vergessen können
  4. Was Sie jetzt tun sollten

Im Sommer fahre ich Reiseenduro, im Winter einen alten Kombi, und bei beiden habe ich dasselbe gelernt: Den größten Hebel beim Verbrauch hat nicht der Motor, sondern der Mensch, der ihn bedient. Der ADAC hält mit einer sparsamen Fahrweise bis zu 20 Prozent weniger Verbrauch für möglich. Dafür müssen Sie weder schleichen noch den Verkehr aufhalten. Sie müssen sich nur ein paar Gewohnheiten an- und ein paar Mythen abgewöhnen.

Die 7 Gewohnheiten, die wirklich wirken

1. Vorausschauend fahren und im Gang rollen lassen

Die meisten Autos mit Verbrennungsmotor haben eine Schubabschaltung. Nehmen Sie bei eingelegtem Gang den Fuß vom Gas, stoppt die Elektronik die Kraftstoffzufuhr, solange die Drehzahl nicht zu weit absinkt. Das Auto rollt, der Motor dreht mit, und verbraucht wird nichts. Sehen Sie also schon von Weitem, dass die Ampel rot ist, gehen Sie früh vom Gas und lassen das Auto im Gang rollen. Vor Ortseinfahrten gilt dasselbe: lieber ein paar hundert Meter ausrollen als spät und kräftig bremsen. Auf der Enduro im Schwarzwald mache ich nichts anderes. Weit vorausschauen, früh vom Gas, und die Bremse bleibt kühl.

2. Früh hochschalten

Der ADAC empfiehlt, zügig zu beschleunigen und bei etwa 2.000 Umdrehungen pro Minute hochzuschalten. Niedrige Drehzahl im hohen Gang ist meist die sparsamste Kombination. Wer jeden Gang bis zum roten Bereich ausdreht, klingt zwar sportlich, bezahlt das aber an der Zapfsäule. Mit Automatik heißt die Übersetzung: gefühlvoll aufs Pedal, dann schaltet das Getriebe von selbst früh hoch.

3. Motor aus, wenn es länger dauert

Ein laufender Motor verbraucht laut ADAC auch im Stand etwa 0,5 bis 1 Liter pro Stunde. Der Club rät deshalb, den Motor abzustellen, wenn die Wartezeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden dauert, etwa vor einer geschlossenen Schranke oder im Stau. Die Start-Stopp-Automatik sollten Sie eingeschaltet lassen. Die zusätzliche Belastung für Anlasser und Batterie hält der ADAC bei warmem Motor für vernachlässigbar. Kleiner Haken am Rande: Auch wenn der Motor an der Ampel aus ist, bleibt das Handy tabu. Warum, steht in unserem Artikel zum Handy am Steuer mit Start-Stopp-Automatik.

4. Reifendruck regelmäßig prüfen

Schon 0,3 bar zu wenig Luft erhöhen laut ADAC den Rollwiderstand und damit den Verbrauch. Das Tückische: Man sieht es dem Reifen nicht an. Ich prüfe den Druck alle paar Wochen an der Tankstelle, das dauert keine fünf Minuten. Gerade jetzt im Herbst lohnt der Blick, denn mit sinkenden Temperaturen sinkt auch der Druck. Warum das so ist, erklärt mein Kollege Jonas Brandt in seinem Artikel zum Reifendruck bei Kälte.

5. Ballast raus, Dachbox runter

Im Kofferraum fährt bei vielen ein halber Hausrat mit. Laut ADAC bedeuten 100 Kilo Zusatzlast bis zu 0,3 Liter Mehrverbrauch auf 100 Kilometer, spürbar vor allem im Stadtverkehr mit viel Anfahren. Noch teurer ist, was auf dem Dach sitzt. Bei Messungen des ADAC verbrauchte ein Auto mit Dachbox bei Tempo 130 im Schnitt rund einen Liter mehr auf 100 Kilometer. Auch leere Dachträger und Fahrradträger kosten Sprit. Nach dem Urlaub also abschrauben, auch wenn es nervt.

6. Kurzstrecken bündeln

Ein kalter Motor verbraucht am meisten. Benziner brauchen in der Warmlaufphase ein fetteres Gemisch, und auf zwei Kilometern zum Bäcker wird der Motor nie richtig warm. Packen Sie mehrere Erledigungen in eine Runde, statt dreimal am Tag einzeln zu fahren. Und für den Bäcker tut es manchmal auch das Fahrrad.

7. Auf der Autobahn das Tempo rausnehmen

Der Luftwiderstand wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Jeder zusätzliche Stundenkilometer kostet also mehr als der vorherige. Der ADAC rät, sich an der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h zu orientieren. Rein rechnerisch brauchen Sie für 100 Kilometer mit 130 statt 160 km/h nicht einmal zehn Minuten länger. In der Praxis schrumpft der Unterschied durch Baustellen und Kolonnen meist noch weiter.

Was die Spritfresser kosten

Damit Sie die Größenordnungen einschätzen können, hier die Werte, die der ADAC nennt:

SpritfresserMehrverbrauch laut ADAC
Motor im Leerlaufetwa 0,5 bis 1 Liter pro Stunde
Klimaanlageetwa 0,3 bis 1,5 Liter pro 100 km, je nach Modell und Bedingungen
Beide Seitenfenster offen bei 100 km/hrund 0,2 Liter pro 100 km
100 Kilo Zusatzlastbis zu 0,3 Liter pro 100 km
Dachbox bei 130 km/him Schnitt rund 1 Liter pro 100 km

3 Mythen, die Sie vergessen können

Mythos 1: Im Leerlauf rollen spart Sprit

Es ist genau umgekehrt. Wer vor der Ampel auskuppelt oder den Gang herausnimmt, lässt den Motor im Leerlauf weiterlaufen, und dafür braucht er Kraftstoff. Mit eingelegtem Gang greift dagegen die Schubabschaltung, und der Verbrauch liegt bei null. Dazu kommt ein Sicherheitsargument: Im Gang haben Sie die Motorbremse und mehr Kontrolle, gerade bergab. Auf den langen Gefällen im Schwarzwald merken Sie das an den Bremsen sehr deutlich.

Eine Ausnahme gibt es: Manche moderne Autos mit Automatikgetriebe koppeln bei passender Gelegenheit selbstständig aus und lassen das Auto „segeln“. Das entscheidet dann aber die Elektronik, nicht Ihr Schalthebel.

Mythos 2: Der Motor muss erst warmlaufen

Das hält sich hartnäckig, vor allem an Frostmorgen beim Eiskratzen. Der ADAC rät klar davon ab: Warmlaufen im Stand kostet zusätzlichen Sprit und schadet dem Motor. Bei gemäßigter Fahrt erreicht er seine Betriebstemperatur deutlich schneller. Fahren Sie also direkt los, aber in den ersten Kilometern ohne Vollgas und hohe Drehzahlen.

Außerdem ist das Laufenlassen im Stand schlicht verboten. § 30 Abs. 1 StVO untersagt es ausdrücklich, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen. Der Bußgeldkatalog sieht dafür 80 Euro vor. Teurer kann man ein paar warme Minuten kaum erkaufen.

Mythos 3: Fenster auf ist immer sparsamer als Klimaanlage

Das stimmt nur zum Teil. Im Stadtverkehr ist die Klimaanlage tatsächlich der größere Spritfresser. Im ADAC-Test lag ihr Mehrverbrauch dort bei rund einem Liter auf 100 Kilometer. Außerorts bei Tempo 100 waren es nur noch etwa 0,3 Liter. Offene Seitenfenster kosteten bei 80 bis 100 km/h rund 0,2 Liter. Auf der Landstraße liegen beide also nah beieinander, und je schneller Sie fahren, desto stärker bremst der Luftwiderstand der offenen Fenster. Dazu kommt der Lärm, der laut ADAC schon ab etwa 50 km/h unangenehm werden kann.

Mein Rat: Setzen Sie die Klimaanlage gezielt ein, statt sie stur ein- oder auszuschalten. Im Herbst hat sie übrigens noch einen ganz anderen Nutzen. Sie trocknet die Luft und sorgt dafür, dass die Scheiben frei bleiben, wie ich in meinem Artikel über beschlagene Scheiben erkläre. Da geht Sicht vor Sparen.

Was Sie jetzt tun sollten

Nehmen Sie sich nicht alles auf einmal vor. Picken Sie zwei Gewohnheiten heraus, zum Beispiel früher hochschalten und vor der Ampel im Gang rollen lassen. Prüfen Sie beim nächsten Tankstopp den Reifendruck, und räumen Sie am Wochenende den Kofferraum aus. Beobachten Sie dann ein paar Wochen lang den Verbrauch im Bordcomputer. Die meisten merken schnell, dass sie nicht nur günstiger, sondern auch entspannter ankommen.

Häufige Fragen

Spart es Sprit, im Leerlauf an die Ampel zu rollen?

Nein. Mit eingelegtem Gang greift bei den meisten Verbrennern die Schubabschaltung, dann fließt kein Kraftstoff. Im Leerlauf braucht der Motor dagegen Sprit, um weiterzulaufen.

Was verbraucht mehr, Klimaanlage oder offene Fenster?

Im Stadtverkehr kostet die Klimaanlage deutlich mehr. Bei Landstraßentempo liegen beide laut ADAC-Messungen nah beieinander, offene Fenster kosten dort rund 0,2 Liter auf 100 Kilometer.

Ab wann lohnt es sich, den Motor abzustellen?

Der ADAC rät dazu, wenn die Wartezeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden dauert. Im Leerlauf verbraucht ein Motor etwa 0,5 bis 1 Liter pro Stunde.

Faktencheck und Quellen

Dieser Artikel wurde von Tobias Keller recherchiert und geschrieben und am 10. Oktober 2026 von Sabine Müller, Fahrlehrerin seit 1997, nach dem Vier-Augen-Prinzip fachlich geprüft. Verbrauchswerte mit den aktuellen ADAC-Angaben abgeglichen, Bußgeld für unnötiges Laufenlassen des Motors mit Nr. 117 des Bußgeldkatalogs geprüft.

  • ADAC: Sprit sparen, Tipps für weniger Verbrauch (Mai 2026)
  • ADAC: Test Auto-Klimaanlagen (November 2020)
  • ADAC: Pressemitteilung zum Fahren mit Dachbox (Februar 2022)
  • Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), § 30 Abs. 1
  • Bußgeldkatalog (BKatV), Nr. 117, Stand August 2026

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Über den Autor

Tobias Keller

Redakteur Motorrad und Alltagstipps · Freiburg im Breisgau

Fährt seit seinem 18. Geburtstag Motorrad, ganzjährig im Schwarzwald unterwegs. Testet jeden Alltagstipp selbst, bevor er ihn empfiehlt.

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