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Motorrad im Herbst: Diese 5 Gefahren unterschätzen selbst erfahrene Fahrer

Nasses Laub, kalte Reifen, tiefe Sonne, Wild und klamme Finger: Warum der Herbst für Motorradfahrer tückisch ist und wie Sie sicher durch die Saison kommen.

Motorradfahrer fährt vorsichtig über eine mit Herbstlaub bedeckte Waldstraße
Symbolbild: Motorradfahrer fährt vorsichtig über eine mit Herbstlaub bedeckte Waldstraße. Bild: KI-generiert, Fahrschule Hummel

Das Wichtigste in Kürze

  • Nasses Laub, Erde von Erntefahrzeugen und Bitumenstreifen können auf dem Motorrad fast so rutschig wie Glatteis werden.
  • Kalte Reifen auf kaltem Asphalt haben spürbar weniger Grip, die ersten Kilometer gehören deshalb dem sanften Fahren.
  • Mit der Zeitumstellung am 25. Oktober 2026 fällt der Feierabendverkehr in die Dämmerung, genau in die Zeit, in der Wild unterwegs ist.
Inhalt
  1. 1. Nasses Laub, Erde und Bitumen: Glatteis ohne Frost
  2. 2. Kalte Reifen auf kaltem Asphalt
  3. 3. Tiefe Sonne und Nebel: Sie sehen schlecht und werden schlecht gesehen
  4. 4. Wild in der Dämmerung
  5. 5. Kalte Hände, langsamer Kopf
  6. Die Ausrüstung, die im Herbst den Unterschied macht
  7. Was Sie jetzt tun sollten

Für mich sind die Wochen zwischen Ende September und den ersten Frostnächten die schönsten des Jahres. Die Wälder im Schwarzwald leuchten, die Straßen sind leer, die Luft ist klar. Und genau dann passieren die Ausrutscher, über die man sich hinterher am meisten ärgert: nicht wegen zu viel Tempo, sondern weil sich die Straße still und leise verändert hat.

Fünf Gefahren habe ich über die Jahre ernst nehmen gelernt, manche davon auf die unangenehme Art.

1. Nasses Laub, Erde und Bitumen: Glatteis ohne Frost

Laub sieht harmlos aus, fast dekorativ. Nass wird es zu einer schmierigen Schicht, auf der ein Motorradreifen kaum Halt findet. Besonders tückisch sind schattige Waldstücke, in denen die Straße den ganzen Tag nicht abtrocknet, und Kurven unter Bäumen, in denen sich die Blätter sammeln. Wo Obstbäume am Straßenrand stehen, kommt noch Fallobst dazu.

Mir hat es vor ein paar Jahren in einer langsamen Rechtskurve auf einer Laubschicht kurz das Hinterrad versetzt. Passiert ist nichts. Aber ich bin danach sehr gemächlich nach Hause gefahren und habe seitdem einen anderen Blick für braune Flecken auf dem Asphalt.

Dazu kommt die Ernte. Traktoren und Erntemaschinen tragen Erde vom Acker auf die Fahrbahn, und nach einem Regenschauer wird daraus ein Schmierfilm, den Fahrer gern Bauernglatteis nennen. Rechtlich ist die Sache klar: Nach § 32 StVO muss der Verursacher solche Verschmutzungen unverzüglich beseitigen und bis dahin ausreichend kenntlich machen. Darauf verlassen kann man sich in der Praxis aber nicht. Rechnen Sie an jeder Feldeinfahrt mit Dreck.

Die dritte Falle sind die glänzenden Flickstreifen aus Bitumen, mit denen Risse im Asphalt verschlossen werden. Bei Nässe bieten sie deutlich weniger Grip als der Belag drumherum.

Was hilft: Tempo raus, bevor Sie die Stelle erreichen. Auf Laub, Dreck und Bitumen nicht bremsen, nicht beschleunigen und möglichst wenig Schräglage. Wenn es sich vermeiden lässt, fahren Sie drum herum.

2. Kalte Reifen auf kaltem Asphalt

Motorradreifen brauchen Wärme, um richtig zu haften. Im Sommer ist der Reifen nach ein paar Kilometern auf Temperatur. An einem Oktobermorgen mit einstelligen Werten dauert das deutlich länger, und manchmal wird er auf einer gemütlichen Runde gar nicht richtig warm. Der kalte Asphalt tut sein Übriges.

Das Gemeine daran: Sie merken es nicht. Der Reifen fühlt sich an wie immer, bis er es nicht mehr tut. Ich fahre im Herbst die ersten Kilometer bewusst wie ein Fahrschüler, bremse früh und sanft und lege das Motorrad nur so weit in die Kurve, wie es wirklich nötig ist.

Prüfen Sie außerdem den Luftdruck, und zwar am kalten Reifen. Wenn die Temperaturen sinken, sinkt auch der Druck. Warum das so ist, erklärt unser Kollege Jonas Brandt im Text über Reifendruck bei Kälte, am Auto gilt da dieselbe Physik wie am Motorrad.

3. Tiefe Sonne und Nebel: Sie sehen schlecht und werden schlecht gesehen

Im Herbst steht die Sonne morgens und am Nachmittag so tief, dass sie Autofahrer voll blendet. Ein Motorrad, das aus dem Gegenlicht kommt, ist dann nur ein schmaler Schatten. Umgekehrt geht es Ihnen nicht besser: Ein verkratztes oder verschmiertes Visier verwandelt tiefes Sonnenlicht in eine milchige Wand.

Fahren Sie deshalb mit sauberem Visier los und rechnen Sie damit, dass Sie übersehen werden, vor allem von Linksabbiegern. Licht ist für Motorräder ohnehin vorgeschrieben: Nach § 17 Abs. 2a StVO müssen Sie auch tagsüber mit Abblendlicht oder Tagfahrleuchten fahren.

Ein getöntes Visier ist im Herbst ein zweischneidiges Schwert: mittags angenehm, in der Dämmerung auf dem Heimweg plötzlich viel zu dunkel. Ich fahre in dieser Jahreszeit mit klarem Visier und nutze gegen die tiefe Sonne die eingebaute Sonnenblende meines Helms.

Bei Nebel kommt ein zweites Problem hinzu: Das Visier beschlägt von innen. Ein Pinlock-Einsatz hält es klar, ein Spalt offenes Visier hilft nur kurz. Und bei Sichtweiten unter 50 Metern durch Nebel, Schneefall oder Regen sind nach § 3 Abs. 1 StVO höchstens 50 km/h erlaubt, oft ist weniger klüger.

4. Wild in der Dämmerung

Rehe, Wildschweine und Füchse sind besonders in der Dämmerung unterwegs. Am Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren zurückgestellt, und damit fällt der Feierabendverkehr auf einen Schlag in genau diese Zeit. Was das für Autofahrer bedeutet, beschreibt meine Kollegin Lena Vogt im Text über Wildunfälle nach der Zeitumstellung.

Auf dem Motorrad ist die Lage noch heikler, denn Sie haben keine Knautschzone. Schon ein kleineres Tier kann ein Motorrad zu Fall bringen. Fahren Sie in Waldstücken und an Feldrändern mit Bremsbereitschaft, achten Sie auf die Warnschilder für Wildwechsel und denken Sie daran, dass einem Reh oft weitere folgen.

5. Kalte Hände, langsamer Kopf

Über diese Gefahr wird selten gesprochen, und trotzdem halte ich sie für eine der größten. Kalte Finger greifen langsamer und ungenauer zum Bremshebel. Ein ausgekühlter Körper wird müde, und wer friert, denkt irgendwann mehr an die warme Stube als an die nächste Kurve.

Ich habe gelernt, mich im Herbst eher zu warm als zu kalt anzuziehen. Funktionsunterwäsche, eine winddichte Schicht unter der Jacke, ein Halstuch, das den Spalt am Helm schließt, und Handschuhe, die wirklich für Kälte gemacht sind. Eine Griffheizung war eine der besten Nachrüstungen, die ich je an einem Motorrad gemacht habe. Und machen Sie lieber eine Pause zu viel als eine zu wenig.

Die Ausrüstung, die im Herbst den Unterschied macht

  • Ein sauberes, kratzfreies Visier mit Pinlock
  • Warme, winddichte Kleidung in Schichten
  • Kältetaugliche Handschuhe, gern zusätzlich eine Griffheizung
  • Helle oder reflektierende Kleidung

Eine Warnweste müssen Motorradfahrer in Deutschland übrigens nicht dabeihaben. Ich habe trotzdem immer eine im Tankrucksack. Wer in der Dämmerung mit einer Panne am Straßenrand steht, ist froh um jedes Stück Reflexmaterial.

Was Sie jetzt tun sollten

Fahren Sie den Herbst, er lohnt sich. Aber fahren Sie ihn mit Reserve: früher bremsen, weniger Schräglage, mehr Abstand, und an jeder Feldeinfahrt einen Blick auf die Fahrbahn. Wenn die Tage dann kürzer und die Nächte frostig werden, ist der richtige Moment für die Garage. Wie Sie Ihr Motorrad dann sauber in die Pause schicken, lesen Sie in unserem Beitrag zu den häufigsten Fehlern beim Überwintern.

Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur wird Motorradfahren gefährlich?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Bei kühlen Temperaturen kommen Reifen schlechter auf Betriebstemperatur und der Asphalt bietet weniger Haftung. Fahren Sie deshalb vor allem auf den ersten Kilometern sanft und mit Reserve.

Müssen Motorradfahrer eine Warnweste dabeihaben?

In Deutschland nicht, die Mitführpflicht gilt unter anderem für Pkw, Lkw und Busse, nicht für Motorräder. Sinnvoll ist eine Warnweste im Herbst trotzdem, etwa bei einer Panne in der Dämmerung. Im Ausland können andere Regeln gelten.

Wie schnell darf man bei Nebel fahren?

Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 Meter, sind höchstens 50 km/h erlaubt, oft ist sogar weniger angebracht. So steht es in § 3 Abs. 1 StVO.

Wer muss Erde von der Straße entfernen, die ein Traktor hinterlassen hat?

Der Verursacher. Nach § 32 StVO muss er verkehrswidrige Verschmutzungen unverzüglich beseitigen und bis dahin ausreichend kenntlich machen.

Faktencheck und Quellen

Dieser Artikel wurde von Tobias Keller recherchiert und geschrieben und am 10. Oktober 2026 von Sabine Müller, Fahrlehrerin seit 1997, nach dem Vier-Augen-Prinzip fachlich geprüft. Die Regeln zu Licht, Nebel und Fahrbahnverschmutzung mit dem aktuellen Wortlaut der StVO abgeglichen und das Datum der Zeitumstellung 2026 geprüft.

  • Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), § 3 Abs. 1, § 17 Abs. 2a und § 32 Abs. 1
  • ÖAMTC, Hinweise zum Motorradfahren im Herbst
  • Fachzeitschrift MOTORRAD, Ratgeber zum Fahren im Herbst und unter besonderen Bedingungen

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Tobias Keller

Über den Autor

Tobias Keller

Redakteur Motorrad und Alltagstipps · Freiburg im Breisgau

Fährt seit seinem 18. Geburtstag Motorrad, ganzjährig im Schwarzwald unterwegs. Testet jeden Alltagstipp selbst, bevor er ihn empfiehlt.

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