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MotorradKurios

Warum grüßen sich Motorradfahrer mit zwei Fingern? Was hinter dem Bikergruß steckt

Linke Hand, zwei Finger, Richtung Asphalt: Woher der Motorradgruß wohl kommt, welche Varianten es gibt und wann Sie lieber nicht grüßen sollten.

Zwei Motorradfahrer begegnen sich auf einer Landstraße, einer grüßt mit zwei Fingern
Symbolbild: Zwei Motorradfahrer begegnen sich auf einer Landstraße, einer grüßt mit zwei Fingern. Bild: KI-generiert, Fahrschule Hummel

Das Wichtigste in Kürze

  • Motorradfahrer grüßen mit der linken Hand, weil die rechte am Gasgriff und an der Vorderradbremse gebraucht wird.
  • Woher das V aus zwei Fingern stammt, ist nicht belegt. Es gibt mehrere Theorien, aber keine davon ist historisch gesichert.
  • Grüßen ist keine Pflicht. In Kurven, beim Bremsen und im dichten Verkehr bleibt die Hand am Lenker, Sicherheit geht vor.
Inhalt
  1. Warum immer die linke Hand?
  2. Woher kommen die zwei Finger?
  3. Die Varianten: Nicht jeder grüßt gleich
  4. Wer grüßt wen?
  5. Sicherheit geht vor
  6. Ist der Bikergruß Pflicht?
  7. Wie Sie es als Neuling machen sollten

Eine Landstraße im Südschwarzwald, Sonntagvormittag. Von vorn kommt eine Maschine, und kurz bevor wir aneinander vorbeirauschen, rutscht ihre linke Hand vom Lenker. Zwei Finger, leicht gespreizt, schräg Richtung Asphalt. Meine linke Hand macht dasselbe, ohne dass ich darüber nachdenke. Zwei Sekunden später ist alles vorbei, und trotzdem fühlt es sich an wie ein kleiner Handschlag unter Fremden.

Wer nicht Motorrad fährt, fragt sich zu Recht, was das soll. Kennen die sich alle? Natürlich nicht. Ich fahre seit meinem 18. Geburtstag und habe den Gruß jahrelang einfach gemacht, ohne groß darüber nachzudenken. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick.

Warum immer die linke Hand?

Das ist der einfachste Teil der Geschichte. Am rechten Griff sitzen das Gas und der Hebel für die Vorderradbremse. Die rechte Hand vom Lenker zu nehmen, hieße also, kurz auf Gas und die wichtigste Bremse zu verzichten. Links liegt die Kupplung, und die braucht man bei gleichmäßiger Fahrt auf einer geraden Strecke nicht.

Deshalb geht die linke Hand nach unten, und zwar meist seitlich nach außen, damit der Entgegenkommende sie sieht. Bei uns im Rechtsverkehr sitzt die linke Hand ja auch auf der Seite, an der der Gegenverkehr vorbeifährt. Das passt.

Woher kommen die zwei Finger?

Jetzt wird es spannend, und ehrlich gesagt auch etwas unscharf. Es gibt mehrere Erklärungen, die in Motorradkreisen erzählt werden. Belegt ist keine davon. Ich stelle sie trotzdem gern vor, weil jede ihren Charme hat.

Die Gründer-Legende

Eine viel erzählte Geschichte führt den Gruß auf die Gründer von Harley-Davidson zurück, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Straße zugewunken haben sollen. Andere hätten das gesehen und für einen Brauch unter Motorradfahrern gehalten. Selbst der Reifenhersteller Pirelli, der die Anekdote wiedergibt, räumt ein, dass sich in der frühen Motorradgeschichte Information und Legende vermischen.

Die Rennfahrer-Theorie

In Europa wird das V oft dem britischen Rennfahrer Barry Sheene zugeschrieben, der in den 1970er Jahren zweimal Weltmeister wurde und nach Siegen das V-Zeichen gezeigt haben soll. Dass er damit den heutigen Gruß erfunden hat, ist eine schöne Erzählung, aber eben nur das.

Victory und Peace

Andere sehen im V schlicht das Siegeszeichen oder das Friedenszeichen, das irgendwann auf die Straße gewandert sei. Eine Variante dieser Erzählung führt den Gruß auf Veteranen des Zweiten Weltkriegs zurück, die das Victory-Zeichen nach dem Krieg mit aufs Motorrad genommen haben sollen. Auch dafür gibt es keinen Beleg.

Zwei Räder auf dem Boden

Das ist meine Lieblingsdeutung, weil sie so pragmatisch ist. Die zwei Finger, nach unten gerichtet, stehen für die zwei Räder, die auf dem Asphalt bleiben sollen. Ein Gruß und ein guter Wunsch zugleich.

Welche Version stimmt? Niemand weiß es. Und ich finde, das schadet dem Gruß überhaupt nicht.

Die Varianten: Nicht jeder grüßt gleich

Wer ein paar Jahre unterwegs ist, entdeckt eine ganze Grußsprache:

  • Das klassische V: zwei Finger, linke Hand, leicht nach unten. Der Standard auf deutschen Landstraßen.
  • Die flache Hand: einfach kurz die Hand vom Griff abspreizen. Oft bei Fahrern, die es eilig oder kalte Finger haben.
  • Das Nicken: Wenn beide Hände gebraucht werden, etwa im dichten Stadtverkehr, reicht ein deutliches Nicken mit dem Helm. Auf meinen Touren in Großbritannien habe ich das besonders oft gesehen.
  • Der Fuß: Manche bedanken sich beim Überholen bei Autofahrern, die Platz gemacht haben, indem sie das Bein kurz ausstrecken. In Frankreich sieht man das deutlich häufiger als bei uns.

Beim Fuß muss ich allerdings bremsen. Die StVO ist in § 23 Abs. 3 ziemlich deutlich: Wer ein Kraftrad fährt, darf die Füße nur dann von den Fußrasten nehmen, wenn der Straßenzustand das erfordert. Ein Dankeschön an den Autofahrer zählt nicht dazu. Bei uns bleibt es also besser beim Nicken oder einer kurzen Geste mit der Hand, wenn die Situation es zulässt.

Wer grüßt wen?

Hier wird es menschlich, und manchmal auch ein bisschen komisch. Über die Jahre habe ich ein paar Klischees gehört, die ich mit einem Augenzwinkern weitergebe: Chopperfahrer grüßen angeblich nur Chopper, Sportfahrer grüßen nur, wenn sie gerade nicht in einer Kurve liegen, und Rollerfahrer werden von manchen übersehen, obwohl sie oft am freundlichsten zurückwinken.

Meine eigene Erfahrung ist entspannter. Auf der Reiseenduro grüße ich fast alles, was zwei Räder und einen Motor hat. Zurück kommt meistens etwas, manchmal nicht. Und wenn nicht, gehe ich davon aus, dass der andere gerade beide Hände gebraucht hat. Das ist fast immer die richtige Annahme.

Eine Beobachtung noch: Je kälter es wird, desto herzlicher fällt der Gruß aus. Wer im November bei einstelligen Temperaturen unterwegs ist, grüßt den anderen Unentwegten oft mit einer Mischung aus Respekt und Mitleid. Im Juli dagegen, wenn an schönen Wochenenden Dutzende Maschinen auf derselben Passstraße unterwegs sind, spart sich mancher den Gruß. Verständlich, sonst käme man kaum noch zum Lenken.

Und die Autofahrer? Wer rechts Platz macht, damit ich sicher überholen kann, bekommt von mir ein kurzes Handzeichen oder ein Nicken, sobald ich wieder ruhig auf meiner Spur bin. Das kostet nichts und sorgt für gute Stimmung zwischen zwei Gruppen, die sich nicht immer grün sind.

Wer frisch eingestiegen ist, zum Beispiel mit einer 125er über die Schlüsselzahl B196, darf übrigens genauso grüßen. Es gibt keinen Mitgliedsausweis.

Sicherheit geht vor

So sympathisch der Gruß ist: Er ist nie wichtiger als die Kontrolle über das Motorrad. Freihändig zu fahren verbietet die StVO ohnehin, und auch mit einer Hand am Lenker ist man in manchen Momenten schlicht zu langsam.

Das gilt auch für die Augen. In einer Kurve gehört der Blick zum Kurvenausgang, nicht zum Entgegenkommenden. Warum das so wichtig ist, steht in unserem Text über Blickführung in Kurven.

Ist der Bikergruß Pflicht?

Nein. Es gibt kein Gesetz, keine Vorschrift, keinen Verein, der darüber wacht. Niemand ist unhöflich, nur weil er nicht grüßt. Der Gruß ist eine freiwillige Geste, und genau das macht ihn aus.

Wie Sie es als Neuling machen sollten

Grüßen Sie, wenn die Straße frei und gerade ist und Sie sich sicher fühlen. Linke Hand, kurz, deutlich, dann zurück an den Griff. Wenn Ihnen das noch zu wackelig ist, nicken Sie einfach. Und wenn jemand nicht zurückgrüßt, nehmen Sie es nicht persönlich.

Mir gefällt an diesem kleinen Ritual vor allem eines: Es erinnert daran, dass wir auf dem Motorrad alle ziemlich ungeschützt unterwegs sind. Ein kurzes Zeichen, dass man sich gesehen hat, ist da gar keine schlechte Botschaft.

Häufige Fragen

Warum grüßen Motorradfahrer mit der linken Hand?

Weil rechts der Gasgriff und der Hebel für die Vorderradbremse sitzen. Die linke Hand ist bei gleichmäßiger Fahrt am ehesten für einen kurzen Moment entbehrlich.

Was bedeutet das V-Zeichen bei Motorradfahrern?

Es ist ein freundlicher Gruß unter Gleichgesinnten. Woher genau das V kommt, ist nicht belegt. Beliebte Deutungen reichen vom Siegeszeichen bis zu den zwei Rädern auf der Straße.

Muss man als Motorradfahrer zurückgrüßen?

Nein, es gibt keine Pflicht und keine feste Regel. Wer nicht zurückgrüßt, hat oft schlicht beide Hände gebraucht, und das ist völlig in Ordnung.

Warum strecken Motorradfahrer beim Überholen das Bein aus?

Damit bedanken sich manche bei Autofahrern, die Platz gemacht haben, vor allem in Frankreich verbreitet. In Deutschland ist das heikel, denn die StVO erlaubt, die Füße nur dann von den Rasten zu nehmen, wenn der Straßenzustand es erfordert.

Faktencheck und Quellen

Dieser Artikel wurde von Tobias Keller recherchiert und geschrieben und am 10. Oktober 2026 von Sabine Müller, Fahrlehrerin seit 1997, nach dem Vier-Augen-Prinzip fachlich geprüft. Die Herkunftsgeschichten ausdrücklich als unbelegte Theorien gekennzeichnet und die Aussagen zu Hand und Fuß mit dem aktuellen Wortlaut von § 23 Abs. 3 StVO abgeglichen.

  • Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), § 23 Abs. 3
  • Pirelli, Beitrag zur Geschichte des Motorradgrußes
  • Berichte und Diskussionen in Motorradmagazinen und Fahrerforen zu den Herkunftstheorien

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Tobias Keller

Über den Autor

Tobias Keller

Redakteur Motorrad und Alltagstipps · Freiburg im Breisgau

Fährt seit seinem 18. Geburtstag Motorrad, ganzjährig im Schwarzwald unterwegs. Testet jeden Alltagstipp selbst, bevor er ihn empfiehlt.

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